Basisarbeit als Zukunftsinvestition

Industrie- und Handelskammer spricht Erstausbildern Anerkennung aus / Urkunde für Aqua Living


Industrie- und Handelskammer spricht Erstausbildern Anerkennung aus / Urkunde für Aqua Living

Industrie- und Handelskammer spricht Erstausbildern Anerkennung aus / Urkunde für Aqua Living

Darauf ein Glas gesundes Wasser: Lara Klose ist die erste Auszubildende bei Aqua Living. Gustav Deiters, IHK-Vizepräsident Nord-Westfalen (2. von rechts), überreichte stellvertretend für rund 40 Erstausbilder im Kreis Steinfurt eine Urkunde an das Westerkappelner Unternehmen. Für die beiden Inhaber Frank Auringer (rechts) und Viktor Zwinger sowie die IHK-Regionalbeauftrage Dorothe Hünting-Boll (links) ein Grund anzustoßen.Foto: Frank Klausmeyer

 

Frank Klausmeyer

Westerkappeln - Im kommenden Jahr, wenn in Nordrhein-Westfalen der doppelte Abiturjahrgang entlassen wird, können die hiesigen Unternehmen noch einmal aus dem Vollen schöpfen. Danach werden sie Bewerbern auf eine Lehrstelle aber wohl zunehmend den roten Teppich ausrollen, um Fachkräfte zu sichern. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) tut dies für Mitgliedsfirmen, die neu ausbilden schon jetzt. Die Aqua Living GmbH & Co. KG in Westerkappeln hat stellvertretend für alle Erstausbilder im Kreis Steinfurt, von Gustav Deiters, Vizepräsident der IHK Nord-Westfalen, eine schmucke Urkunde bekommen.

 

„Sie sind schon innovativ“, lobt Deiters die Inhaber von Aqua Living, Viktor Zwinger und Frank Auringer, die Wasseraufbereitungsanlagen entwickeln und herstellen. „Wenn sie jetzt auch noch die Ausbildung voranbringen, sind sie noch innovativer und tragen Verantwortung in die Region“, erklärt Deiters. Profiteurin dieses natürlich auch eigennützigen Verantwortungsbewusstsein ist Lara Klose, die erste Auszubildende bei Aqua Living. Berufsziel: Bürokauffrau. Dabei macht die 19-jährige Westerkappelnerin keine klassische Lehre. Sie verknüpft ihre Ausbildung gleich mit einer eineinhalbjährigen Weiterbildung zur Wirtschaftsfachwirtin IHK. „Ausbildung kompakt“ heißt dieses neue Aufstiegsmodell der Kammer, das Nachwuchskräfte vom ersten Tag an auf Führungsaufgaben vorbereiten soll. Vier Jahre dauert die Kombination von Aus- und Weiterbildung.

 

„Wir brauchen aber nicht nur Offiziere, sondern auch Unteroffiziere und Mannschaften“, machte Deiters, auch Vorsitzender im IHK-Regionalausschuss für den Kreis Steinfurt, deutlich, dass Fachkräfte auf allen Ebenen gesucht werden.

 

»Uns kommt schlicht und einfach die Basis abhanden«

IHK-Vizepräsident Gustav Deiters zur demografischen Entwicklung

 

Die Prognosen fürs gesamte Münsterland stimmen die Unternehmer mindestens nachdenklich. 2011 drängten nach IHK-Angaben noch etwa 20 000 Jugendliche auf den Ausbildungsmarkt oder an die Universitäten. 2020 werden es wohl nur noch 16 700 sein – das sind 16,5 Prozent weniger. Im Kreis Steinfurt, wo es vergangenes Jahr 5700 Schulabsolventen gab, wird sogar noch ein etwas größeres Minus erwartet. „Uns kommt schlicht und einfach die Basis abhanden“, befürchtet Gustav Deiters, Chef der Stärkefabrik Crespel & Deiters in Ibbenbüren, der selbst „händeringend“ Ingenieure sucht. Die Duale Ausbildung in Betrieben und Berufsschule sieht der IHK-Vizepräsident als klaren Standortvorteil. „Das ist ein Riesenpfund, mit dem wir in Deutschland wuchern können.“ Unternehmen könnten sich qualifizierten Nachwuchs nur sichern, wenn sie selbst ausbilden.

 

Immerhin rund 7100 Unternehmen im Münsterland tun das. Etwa 250 Firmen kämen jährlich dazu. „Allein im Kreis Steinfurt haben wir 40 Unternehmen neu überzeugen können“, freut sich Deiters. Das sei eine Zukunftsinvestition in den eigenen Betrieb und gebe jungen Menschen eine Perspektive. So wie Lara Klose. Die junge Frau, die vergangenes Jahr ihr Fachabitur an den Privaten Schulen Krüger in Lotte-Wersen bestand, ist die Ausbildung bei Aqua Living quasi angetragen worden. Zuvor hat sie bei dem Mittelständler im Gartenkamp gejobbt. „Wir haben uns entschieden auszubilden, weil es immer schwieriger wird, Fachkräfte zu finden“, sagt Geschäftsführer Viktor Zwinger. Bei der Suche nach einer Lehrstelle geraten junge Leute angesichts der demografischen Entwicklung dabei zunehmend in Vorhand, ist auch Deiters überzeugt. Er sieht kommen, dass sich schon bald Unternehmen im Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs bei den Auszubildenden bewerben.


seite druckenSeite drucken